Bitumen ist nicht gleich Bitumen.

Denn es kann produktionstechnisch auf vielfältige Weise weiterverarbeitet und modifiziert werden, sodass verschiedene Bitumenarten mit unterschiedlichen Eigenschaften hergestellt werden können: vom Straßenbaubitumen über polymermodifiziertes Bitumen bis hin zum Oxidationsbitumen für die industrielle Anwendung.

Aus Mineralöl wird in komplexen Prozessen ein hochtechnologisches Naturprodukt in gleichbleibender Qualität mit geringen, unvermeidlichen Schwankungen hergestellt. Die an Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel gestellten Spezifikationen stellen die gemeinsame Sprache von Lieferant und Kunden dar.

Bitumen ist kein Teer.

Bitumen wird häufig mit Teer verwechselt, aber das einzig Gemeinsame der beiden Produkte ist die schwarze Farbe. „Die Straße wird geteert“, sagt man immer noch, wenn die Fahrbahn eine neue Asphaltschicht erhält.

Teere sind aber völlig andere Produkte. Sie werden aus Braunkohle und Steinkohle gewonnen und enthalten hohe Anteile an gesundheitsschädlichen polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Daher dürfen Teerprodukte in Deutschland nicht als Baustoffe verwendet werden. Die Vermischung von Teer mit Bitumen wurde bereits in den 80iger Jahren eingestellt.

Die Begriffsverwirrung ist auch dadurch verstärkt worden, dass bis 1983 sowohl Bitumen als auch Teer, Pech und Asphalt unter dem Oberbegriff „Bituminöse Stoffe“ zusammengefasst wurden.

Heute wird eindeutig zwischen Bitumen und Steinkohlenteerpech unterschieden, da es sich um grundverschiedene Stoffgruppen handelt. Der Oberbegriff für Bitumenprodukte lautet gemäß DIN EN 12597 „Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel“. Auch mit „Asphalt“ dürfen nur bitumenhaltige, also teerfreie Gemische bezeichnet werden.

Destillationsbitumen

Destillationsbitumen erhält man durch Destillation von Erdöl in mehreren Stufen unter vermindertem Druck bei Temperaturen von 350 bis 380 °C. Auf diese Weise werden weiche und mittelharte Sorten gewonnen, die vor allem im Straßenbau Verwendung finden.

Polymermodifizierte Bitumen

Polymermodifizierte Bitumen (PmB) sind Bitumen, die durch das Mischen von Destillationsbitumen und Polymeren hergestellt werden, wobei sich das thermoviskose und elastoviskose Verhalten verändert.

Die wichtigsten Anwendungsgebiete von polymermodifizierten Bitumen sind besonders beanspruchte Verkehrsflächen im Straßen- und Flughafenbau und die Herstellung hochwertiger Dach- und Dichtungsbahnen.

Hochvakuum- und Hartbitumen

Hochvakuum- und Hartbitumen fallen bei der Weiterbehandlung von Destillationsbitumen in einer zusätzlichen Bearbeitungsstufe an. Sie zeigen eine harte bis springharte Konsistenz. Diese Bitumensorten finden Verwendung bei der Herstellung von Gussasphalt für Estriche im Hoch- und Industriebau und bei der Produktion von Lacken, Gummiwaren und Isoliermaterialien.

Oxidationsbitumen

Oxidationsbitumen werden in speziellen Reaktoren hergestellt, indem weiche Destillationsbitumen bei Temperaturen zwischen 230 und 290 °C durch Einblasen von Luft weiterbehandelt werden. Je nach Einsatzprodukt, Temperatur und Blaszeit gewinnt man Bitumensorten mit verbesserter Beständigkeit gegen Kälte und Wärme.

Oxidationsbitumen werden im Industriebereich zur Herstellung von Dach- und Dichtungsbahnen, von Klebemassen und zur Isolierung von Rohrleitungen eingesetzt.

Normen für Bitumen

Die Norm DIN EN 12597 beinhaltet die Terminologie zu Bitumen und bitumenhaltigen Bindemitteln.

Anforderungen an Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel sind in folgenden Normen beschrieben:

  • DIN EN 12591 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel – Anforderungen an Straßenbaubitumen
  • DIN EN 14023 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel — Rahmenwerk für die Spezifikation von polymermodifizierten Bitumen
  • DIN EN 13924 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel — Anforderungen an harte Straßenbaubitumen
  • DIN EN 13304 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel — Spezifikationsrahmen für oxidiertes Bitumen
  • DIN EN 13305 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel — Spezifikationsrahmen für Hartbitumen für industrielle Anwendungen
  • DIN 1995-4 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel – Anforderungen an das Bindemittel – Teil 4: Kaltbitumen
  • DIN EN 13808 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel — Rahmenwerk für die Spezifizierung kationischer Bitumenemulsionen
  • DIN EN 15322 Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel — Rahmenwerk für die Spezifizierung von verschnittenen und gefluxten bitumenhaltigen Bindemitteln

 

 

Bezugsquelle DIN EN: Beuth Verlag