Vom Rohstoff zum Werkstoff
Durch ihre Entstehungsgeschichte in langen geologischen Zeiträumen weisen Erdöle unterschiedliche Zusammensetzungen auf.
Man unterscheidet sie nach dem spezifischen Gewicht in leicht und schwer, nach niedrigem und hohem Schwefelgehalt und nach ihrer chemischen Zusammensetzung in naphtenbasische oder paraffinbasische Öle. Für die Herstellung von Bitumen sind nur relativ wenige der weltweit vorkommenden Rohöle geeignet. Vorwiegend werden schwere Erdöle aus Venezuela, dem Mittleren Osten und Russland eingesetzt.
Von den Ölfeldern gelangt das Rohöl durch Rohrleitungen (Pipelines) zum Verschiffungshafen oder direkt in die Raffinerie. Dort beginnt die Verarbeitung nach dem Prinzip der fraktionierten Destillation in modernen zwei- oder mehrstufigen Anlagen. In der ersten Stufe wird das Rohöl nach Erwärmung unter atmosphärischem Druck destilliert. Dabei verdampfen und kondensieren Benzin und Mitteldestillate. In der zweiten Stufe, der Vakuum-Destillation, werden aus dem Rückstand der ersten Stufe unter vermindertem Druck weitere Bestandteile abdestilliert. Es verdampfen Öle, die zum Teil als Einsatz für Konversionsanlagen oder zur Herstellung von Schmierölen verwendet werden. Zurück bleibt das Bitumen. Sein Härtegrad lässt sich in gewissen Grenzen dadurch beeinflussen, dass mehr oder weniger Destillatanteile abgezogen werden.
Die verschiedenen Bitumenarten werden nach ihrer Herstellungsweise oder ihren Anwendungsgebieten unterschieden:
- Destillationsbitumen
erhält man durch Destillation von Erdöl in mehreren Stufen unter vermindertem Druck bei Temperaturen von 350 bis 380°C. Auf diese Weise werden weiche und mittelharte Sorten gewonnen, die vor allem im Straßenbau Verwendung finden.
- Hochvakuum- und Hartbitumen
fallen bei der Weiterbehandlung von Destillationsbitumen in einer zusätzlichen Bearbeitungsstufe an. Sie zeigen eine harte bis springharte Konsistenz. Diese Bitumensorten finden Verwendung bei der Herstellung von Gussasphalt für Estriche im Hoch- und Industriebau und bei der Produktion von Lacken, Gummiwaren und Isoliermaterial.
- Oxidationsbitumen
werden in speziellen Reaktoren hergestellt, indem weiche Destillationsbitumen bei Temperaturen zwischen 230 und 290° C durch Einblasen von Luft weiterbehandelt werden. Je nach Einsatzprodukt, Temperatur und Blaszeit gewinnt man Bitumensorten mit verbesserter Beständigkeit gegen Kälte und Wärme.
Oxidationsbitumen werden im Industriebereich zur Herstellung von Dach- und Dichtungsbahnen, von Klebemassen und zur Isolierung von Rohrleitungen eingesetzt.
- Polymermodifizierte Bitumen (PmB)
sind Bitumen, die durch chemische Vernetzung von Destillationsbitumen und Polymeren hergestellt werden, wobei sich das thermoviskose und elastoviskose Verhalten verändert. Die wichtigsten Anwendungsgebiete von polymermodifizierten Bitumen sind besonders beanspruchte Verkehrsflächen im Straßen- und Flughafenbau und die Herstellung hochwertiger Dach- und Dichtungsbahnen.
Weitere Informationen zum Themenkreis Mineralöl (Aufsuchung, Förderung, Verarbeitung, Anwendung) finden Sie unter: Mineralölwirtschaftsverband e.V. (MWV), Berlin (www.mwv.de).
3. Vom Rohstoff zum Werkstoff (44.3 kB)
| « Zurück - Bitumen - was ist das eigentlich? | Wie prüft man Bitumen - Weiter » |
|---|

