Häufig gestellte Fragen

Alles über Bitumen

Was ist Bitumen?

Bitumen ist ein Naturprodukt und das älteste bekannte Mineralölprodukt.
Technisch betrachtet ist es ein Gemisch aus verschiedenen organischen Verbindungen, das durch die Destillation von Erdöl gezielt gewonnen wird

Warum ist Teer kein Bitumen?

Bitumen ist ein Mineralölprodukt, während die Teere aus der Kohleverarbeitung kommen. Die Unterschiede in Herkunft und Herstellung führen zu chemisch verschiedenen Produkten.

Wie wird Bitumen hergestellt?

Bitumen wird raffinerietechnisch hergestellt. Rohöle werden nach dem Prinzip der fraktionierten Destillation in ein- oder mehrstufigen Anlagen verarbeitet, um die einzelnen Bestandteile zu trennen.
Nur bei Einsatz eines geeigneten Rohöls und wenn die technische Anlage es ermöglicht, erhält man Bitumen.

Wo wird Bitumen verwendet?

Bitumen wird zur Herstellung von Asphalten für den Straßen- und Brückenbau, Flugbetriebsflächen, für Parkdecks und -häuser, Lagerflächen und im Wohnungsbau als Estriche verwendet. Außerdem findet man es in Dach- und Dichtungsbahnen und in Dämmstoffen, sowie im Wasser-, Deich- und Deponiebau. Auch Farben und Lacke, Spachtel- und Klebemassen, Kabel- und Rohrisolierungen, Autoreifen und Teppichfliesen werden mit Bitumen hergestellt … um nur einige Anwendungsbereiche zu nennen.

Seit wann wird Bitumen verwendet?

Natürliche Vorkommen von Bitumen in Form von Asphalt und Asphaltgestein waren schon 3000 v. Chr. in Mesopotamien bekannt. Dort wurde der Baustoff vor allem zur Abdichtung von Bauwerken eingesetzt.

Was sind Polymermodifizierte Bitumen (PmB)?

Polymermodifizierte Bitumen werden durch die gezielte Mischung von Polymeren und Destillationsbitumen hergestellt.
Dadurch ändert sich das thermoviskose und elastoviskose Verhalten des Grundbitumens.

Warum ist Bitumen kein Abfall?

Bitumen wird zwar als Rückstandsprodukt der Mineralöldestillation bezeichnet.
Es wird aber durch Auswahl geeigneter Rohöle und durch Anwendung spezieller Produktionstechnologien gezielt für den Markt produziert und für die jeweiligen Anforderungen produziert.

Ist Bitumen immer schwarz?

Ja, Bitumen ist “von Natur aus“ schwarz.
Mit Bitumen hergestellte Baustoffe können allerdings farbig gestaltet werden, beispielsweise durch Auswahl der verwendeten Mineralstoffe, durch Zugabe von Farbpigmenten oder auch durch Verwendung synthetischer Bindemittel mit bitumenähnlichen Eigenschaften.

Warum wird Bitumen heiß verarbeitet?

Bitumen verhält sich thermoviskos:
Bei normalen Gebrauchstemperaturen ist es fest; erst durch Erwärmung auf Temperaturen von 150 bis 200 °C wird es dünnflüssig. In diesem Zustand kann Bitumen sehr gut mit anderen Komponenten vermischt werden, diese vollständig umhüllen und verbinden.

Was sind die Haupteinsatzgebiete von Bitumen?

In Deutschland wird etwa 80 % der Bitumenproduktion im Straßenbau verwendet und rund 20 % in anderen Industrien, hauptsächlich für Dach- und Dichtungsbahnen.

Anwendungsbereiche (Straßen- und Tiefbau)

Wo sind Bitumen für den Straßenbau genormt?

Straßenbaubitumen sind in der EN 12591 – Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel – Anforderungen an Straßenbaubitumen genormt.
Polymermodifizierte Bitumen sind in der EN 14023 – Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel – Rahmenwerk für die Spezifikation polymermodifizierten Bitumen genormt.
Harte Straßenbaubitumen, die in Deutschland standardmässig nicht verwendet werden, sind in der EN 13924 – Bitumen und bitumenhaltige Bindemittel – Anforderungen an harte Straßenbaubitumen genormt.

Welche Anforderungen bestehen in Deutschland an Bitumen für den Straßenbau?

Die Anforderungen sind in den „Technischen Lieferbedingungen für Straßenbaubitumen und gebrauchsfertige Polymermodifizierte Bitumen“ (TL Bitumen-StB 07/13) festgelegt, die über den FGSV Verlag vertrieben werden.

Welche Bitumensorten werden in Deutschland für den Straßenbau verwendet?

Für den regelwerkskonformen Straßenbau werden die zweckmässigen Bindmittelsorten in den „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für den Bau von Verkehrsflächenbefestigungen aus Asphalt“ (ZTV Asphalt-StB 07/13) genannt, die über den FGSV Verlag vertrieben werden.

Bei welchen Temperaturen werden Bitumen für den Straßenbau an der Asphalt-Mischanlage gelagert?

Die maximale Lagertemperatur an der Asphalt-Mischanlage ist abhängig von Bindemittelart und –sorte. 200 °C sollten in keinem Fall überschritten werden.

Was ist der Erweichungspunkt Ring und Kugel?

Der Erweichungspunkt Ring und Kugel ist das Ergebnis eines Prüfverfahrens gleichen Namens, das in der EN 1427 genormt ist.
Für Destillationsbitumen besteht ein über hundertjähriger Erfahrungshintergund zur Interpretation der Ergebnisse, der auf modifizierte Bitumen nur bedingt anwendbar ist.

Was sind viskositätsveränderte Bindemittel?

Viskositätsveränderte Bindemittel sind gebrauchsfertige Bindemittel auf Basis der TL Bitumen-StB 07/13, die durch geeignete Zusätze in ihren rheologischen Eigenschaften gezielt verändert worden sind. Dadurch können die Misch- und Einbautemperaturen gegenüber den für die jeweilige Asphaltmischgutart und –sorte üblichen Temperaturen abgesenkt werden.
Die Anwendung viskositätsveränderter Bindemittel ist u.a. im „Merkblatt für Temperaturabsenkung im Asphalt“ (M TA) beschrieben, das über den FGSV Verlag vertrieben wird.

Anwendungsbereiche (Hoch- und Ingenieurbau)

Warum ist Bitumen zur Abdichtung geeignet?

Bitumen ist praktisch unlöslich in Wasser und wasserabweisend. Zudem ist es elastisch, witterungsbeständig und leicht zu verarbeiten.

Wo wird mit Bitumen abgedichtet?

Mit bitumenhaltigen Baustoffen werden z.B. Brücken-Fahrbahntafeln, Dächer, Parkdecks, Teiche, aufgehende Wände, Keller, Deiche, Staumauern und -dämme, Sohlen, Deponiedeckel u.v.m abgedichtet.

Wie wird mit Bitumen abgedichtet?

Je nach Einsatzbereich werden Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen oder bauchemische Produkte wie z.B. Bitumendickbeschichtungen oder Anstriche aufgebracht, um die Abdichtung sicherzustellen.

Eignet sich Bitumen als Abdichtung von Gründächern?

Ja. Wurzelfeste Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen ermöglichen die dauerhafte Abdichtung auch begrünter Dächer.
Weitere Informationen und Details zu diesem Thema finden Sie beim Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V.: www.derdichtebau.de.

Können auf mit Bitumen abgedichteten Dächern Solaranlagen installiert werden?

Ja. Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen, dass bei fachgerechter Verwendung dauerhafte Abdichtung und Anlagen zur Nutzung der Sonnenenergie keinen Widerspruch darstellen.
Weitere Informationen und Details zu diesem Thema finden Sie beim Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V.: www.derdichtebau.de.

Kann Bitumen zur Abdichtung unbedenklich eingesetzt werden?

Ja. Bei üblichen Gebrauchstemperaturen werden aus Bitumen weder gasförmige noch feste gefährliche Substanzen freigesetzt, auch nicht bei Kontakt mit Wasser. Bitumen ist praktisch wasserunlöslich.

Sicherheit & Lebensqualität

Enthält Bitumen PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)?

Ja. Auch Bitumen enthält PAK, jedoch in Größenordnungen weit unter anzuwendenden Schwellenwerten.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: „Handelsübliche Bitumensorten: PAK-Massegehalt und temperaturabhängiges Emissionsverhalten unter standardisierten Bedingungen, Dr. Dr. U. Knecht, Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft, Heft 11/12 – 1999., Bezugsquelle: Springer-VDI-Verlag GmbH & Co.KG, Redaktion Gefahrstoffe, Postfach 101022, 40001 Düsseldorf; http://www.technikwissen.de/gest/

Ist Bitumen gesundheitsgefährdend?

Nein. Bei üblichen Gebrauchstemperaturen werden aus Bitumen weder gasförmige noch feste gefährliche Substanzen freigesetzt. Bitumen ist praktisch wasserunlöslich und es ist nicht als wassergefährdend eingestuft.
Davon ungeachtet sind bei der Verarbeitung bitumenhaltiger Stoffe die entsprechenden Sicherheitshinweise der Lieferanten, von ARBIT und Eurobitume, z.B. hinsichtlich Verbrennungsrisiken, zu beachten.

Ist Bitumen wassergefährdend?

Nein. Bitumen löst sich praktisch nicht im Wasser und ist z.B. nach deutschem Recht nicht als wassergefährdend eingestuft.

Ist Bitumen ein Gefahrstoff?

Nein. Die Gefahren beim Umgang mit Bitumen ergeben keine Einstufung nach Gefahrstoffverordnung.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: www.baua.de

Warum ist Bitumen ein Gefahrgut?

Bitumen ist nach Transportrecht ein Gefahrgut, weil es bei Temperaturen oberhalb von 100 °C transportiert wird.
Weitere Informationen finden sie hier: www.bmvbs.de

Was ist ein Gefahrstoff und was der Unterschied zum Gefahrgut?

Die Gefahrstoffkennzeichnung soll über Gefahren beim Umgang mit den Stoffen (insbesondere bei deren Herstellung, Weiterverarbeitung und Verwendung) informieren.
Die Gefahrgutkennzeichnung ist auf die Transportgefahren abgestellt (z.B. mit Informationen für die Feuerwehr).

Gibt es in Deutschland Arbeitsplatzgrenzwerte zu Bitumen?

Nein. Weder zu Bitumen noch zu den Dämpfen und Aerosolen aus heiß verarbeitetem Bitumen bestehen in Deutschland derzeit Arbeitsplatzgrenzwerte.

Was ist ein Sicherheitsdatenblatt?

Sicherheitsdatenblätter dienen der Übermittlung sicherheitsbezogener Informationen über Substanzen und Gemische.
Ihre Erstellung erfolgt auch für Bitumen anhand der in der Verordnung (EG) Nr. 1907 / 2006 (REACH) festgelegten Regeln zu Aufbau und Inhalten.
Obwohl Bitumen kein Gefahrstoff ist, hat sich die Bitumenindustrie darauf verständigt, Datenblätter zur Verfügung zu stellen, um den sicheren Umgang mit dem Produkt zu unterstützen.

Was ist ein DNEL?

DNEL ist die Abkürzung für Derived No Effect Level.
Der DNEL wird anhand eines im Zusammenhang mit der REACH-Verordnung festgelegten Verfahrens ermittelt. Er ist kein Grenzwert und kein realer Messwert.

Was ist REACH?

REACH ist die Abkürzung für die Verordnung (EG) Nr. 1907 / 2006 des Europäischen Parlaments und des Rates zur „Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe“.
(Englisch: Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemical Substances)